
Die meisten Menschen verbinden Linoldruck mit Schwarz-Weiß. Starke Kontraste, saubere schwarze Tinte auf weißem Papier – das ist ein Klassiker, der funktioniert. Aber Linoldruck kann noch viel mehr. Mit etwas Planung und den richtigen Farben können Sie in zwei, drei oder vier Farben drucken – und die Ergebnisse sind auf einem völlig anderen Niveau.
Wenn Sie bisher nur in Schwarz gedruckt haben und wissen möchten, wie Sie Farbe hinzufügen, ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie.
Warum Linoldruck in Farbe?
Farbe verwandelt ein einfaches Linoldruckmotiv in ein Plakat. Farben schichten sich, überlappen und mischen sich – und dort, wo sich zwei Farben treffen, entsteht eine dritte. Rot und Gelb ergeben Orange, Blau und Gelb ergeben Grün. Mit nur drei oder vier Druckfarben können Sie eine ganze Farbpalette aufbauen.
Mehrfarbiger Linoldruck muss nicht kompliziert sein. Schon zwei Töne – etwa ein dunkles Blau und ein Ocker – reichen für einen Druck aus, den man rahmen und aufhängen möchte.
Drei Wege zum mehrfarbigen Linoldruck
1. Eine eigene Platte für jede Farbe
Der direkteste Ansatz: Für jede Farbe schnitzen Sie ein separates Stück Linoleum und drucken jede Platte auf dasselbe Blatt Papier, eine Schicht nach der anderen. Lassen Sie eine Farbe trocknen, fügen Sie die nächste hinzu. Das Ergebnis sind präzise platzierte Farbschichten genau dort, wo Sie sie haben möchten.
Der Vorteil ist die volle Kontrolle über jede Farbe unabhängig voneinander, und Sie behalten die Platten für zukünftige Auflagen. Die wichtigste Sache ist die Passergenauigkeit – dass jede Platte genau an der richtigen Position relativ zu den anderen druckt.
2. Reduktionsdruck – eine Platte, mehrere Farben
Diese Technik wirkt fast wie Magie. Sie drucken von einer einzigen Platte, aber in mehreren Runden. Zuerst drucken Sie die hellste Farbe auf die gesamte Auflage. Dann schnitzen Sie die Bereiche heraus, wo diese Farbe erhalten bleiben soll. Dann drucken Sie die zweite Farbe darüber. Und so weiter.
Jeder Schnittzschritt ist dauerhaft und kann nicht rückgängig gemacht werden – weshalb diese Methode manchmal als „Suicide Print" bezeichnet wird. Aber genau das macht Reduktionsdrucke so wertvoll: Jedes Stück ist ein echtes Original, und die Auflage ist wirklich limitiert.
3. Rainbow Roll – ein Farbverlauf in einem Durchgang
Der Rainbow Roll ist wahrscheinlich die beeindruckendste Technik und dabei überraschend einfach. Legen Sie zwei Farben nebeneinander auf die Druckplatte und rollen Sie die Brayer über beide. Die Farben beginnen sich auf der Walze zu vermischen und erzeugen einen weichen Farbverlauf. Diesen übertragen Sie direkt auf den Linolblock und drucken.
Das Ergebnis ist ein Druck, bei dem die Farbe sanft von einem Ton zum anderen übergeht. Es sieht komplex aus, aber alles, was Sie brauchen, sind zwei Druckfarben und eine Walze.
Welche Druckfarben verwenden
Für den mehrfarbigen Linoldruck empfehlen wir ölbasierte oder Hybrid-Druckfarben – insbesondere unsere Renesans H2Oil. Sie verhält sich wie eine ölbasierte Druckfarbe – Farben vermischen sich nicht vorzeitig, Schichten halten ihre Form und Kante – lässt sich aber mit Wasser reinigen. Keine Lösungsmittel, kein spezieller Entsorgungsaufwand.
Warum keine wasserbasierenden Farben? Sie trocknen zu schnell. Bevor Sie einen Farbverlauf erstellen oder eine ganze Auflage drucken können, beginnt die Farbe auf der Walze einzudicken. Bei einer Hebelpresse ist das noch problematischer – das Drucktempo gibt wasserbasierenden Farben zu viel Zeit zum Antrocknen zwischen den Durchgängen.
Zum präzisen Mischen und Auftragen der Farben auf die Druckplatte eignet sich ein Palettenmesser, mit dem Sie jede Farbe vor dem Aufrollen genau verteilen können.
Was Sie für den Farbdruck benötigen
Gute Nachricht: Die Ausrüstung, die Sie bereits für einfarbigen Druck haben, reicht für den Einstieg. Ein paar Extras helfen:
- Mehrere Walzen – idealerweise eine pro Farbe, damit sich die Farben zwischen den Durchgängen nicht vermischen. Wir führen Walzen in 6 cm, 12 cm und 18 cm – für den Rainbow Roll erzeugt die breiteste Walze den gleichmäßigsten Farbverlauf.
- Baren oder Lino-Presse – gleichmäßiger Druck ist beim mehrfarbigen Druck wichtiger. Ein Holzbaren oder Glasbaren eignet sich gut für kleinere Formate; für größere Auflagen oder Blöcke macht der gleichmäßige, wiederholbare Druck einer Lino-Presse einen echten Unterschied.
- Geduld zwischen den Schichten – jede Farbschicht muss vollständig trocknen. Bei ölbasierten Druckfarben sind das 24 bis 48 Stunden. Nicht hetzen – eine nasse Schicht unter der nächsten Farbe ruiniert den Druck.
Wo anfangen
Der einfachste Einstieg ist ein zweifarbiger Druck. Wählen Sie ein Motiv mit klar getrennten hellen und dunklen Bereichen. Drucken Sie zuerst die helle Farbe. Trocknen lassen. Drucken Sie die dunkle Farbe darüber. Fertig – drei Töne aus zwei Farben: das weiße Papier, Farbe eins und Farbe zwei in den Überlappungsbereichen.
Wenn das sich natürlich anfühlt, probieren Sie einen Rainbow Roll als erste Schicht mit einem Blockdruck darüber. Oder versuchen Sie einen Reduktionsdruck – und beobachten Sie, wie aus einer einzigen Platte ein mehrfarbiges Bild Schicht für Schicht entsteht.
Mehrfarbiger Linoldruck ist nicht kompliziert. Er erfordert nur etwas mehr Planung im Voraus – und liefert dafür viel mehr Ergebnisse.



Linolschnittfarben-Leitfaden: Wie man die richtige Linoldruckfarbe wählt